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Kommunales Kino Oberkirch
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Programm

13.11.2018 - 20:00

Kooperation BUND/PAuLA: THE TRUE COST: US 2015; R: A. Morgan

PAuLA und BUND zeigen zusammen mit dem Kommunalen Kino einen Film über die wahren Kosten unserer viel zu billigen Kleidung und demverschwenderischen Umgang damit:

Es gibt kaum einen Markt, bei dem Schein und Realität so weit auseinander liegen wie bei der Bekleidungsindustrie. Auf der einen Seite gibt es Modeschauen mit Starmodels und rotem Teppich, auf der anderen Seite wird die Kleidung zumeist unter sklavenähnlichen Bedingungen in sogenannten Dritteweltländern produziert. Die Ausbeutungskette, die hinter jedem einzelnen Kleidungsstück steckt, wird unsichtbar hinter der Glamourwelt der Modeindustrie.

THE TRUE COST – Der Preis der Mode zeigt diese Kette auf: Wo wird die Kleidung hergestellt, welche Arbeitsbedingungen herrschen dort, was passiert in den Ländern, in denen riesige Wassermengen für die Baumwolle benötigt wird, während die Menschen verdursten? Die Ausbeutung von Mensch und Natur, die hinter den Preisen steckt, ist erschreckend. Ebenso erschreckend ist die Verdrängung dieser Tatsache in der westlichen Welt. Wer würde schon eine Hose kaufen, wenn er wüsste, dass dafür ein Kind verdursten musste oder die Näherin der Hose in den Trümmern einer eingestürzten Fabrik gestorben ist? THE TRUE COST – Der Preis der Mode zeigt die erschütternde Wahrheit: Die Kosten für unsere Kleidung müssen andere bezahlen.

Das Begleitprogramm zum Film wird noch bekannt gegeben (z.B. Kleidertauschparty...)

20.11.2018 - 20:00

Reihe Bruno Ganz: EINER NACH DEM ANDEREN, NOR 2014; R: H.P. Moland

wow, was für ein Film - und Bruno Ganz als Bandenführer: Die Schneeräumung ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit. Nils (Stellan Skarsgård) geht ihr mit so einnehmender Zuverlässigkeit nach, dass er zum Bürger des Jahres gewählt wird. Als sein Sohn zufällig Opfer einer fatalen Verwechslung der Mafia wird, gerät der beste Bürger in einen ausschweifenden Drogenkrieg. Nils will seinen Sohn rächen und macht sich auf zu einer Reise an den Ursprung des Verbrechens. Einen Auftragskiller nach dem nächsten bringt er so akribisch zu Fall wie er einst seine Mitbürger von unerwünschten Schneemassen befreit hatte. Bandenführer Papa (Bruno Ganz), der mit der Drogenmafia auf Kriegsfuß steht, wittert neue Chancen, die ungeliebten Konkurrenten ein für allemal aus dem Weg zu räumen. Es entspinnt sich ein kaum zu entwirrender, aber dafür umso komischerer Drogenkrieg, in dessen Zentrum Nils mit viel Recht und noch mehr Anarchie für so manche Überraschung sorgt.

Wo statt mit Schnee fontänenweise mit Auftragskillern aufgeräumt wird, muss die sensible Balance zwischen ziviler Ordnung und krimineller Kultur aus den Fugen geraten. Regisseur Hans Petter Moland erweist sich nach EIN MANN VON WELT ein weiteres Mal als bildstarker, scharfsinniger und bitterböser Analyst des so feinen Gewebes, das wir Gesellschaft nennen.

27.11.2018 - 20:00

THE PARTY; GB 2017; R: Sally Potter

Sally Potter stürzt in der Satire "The Party" ihre sechs Protagonisten vom Gipfel des Feminismus, bitterböse und hochkomisch. Britisches Kino in Bestform!

In ihrem achten Kinofilm lädt die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter namhafte Akteure, u.a. eben Bruno Ganz, in der Rolle eines Achtsamkeitsyogi namens Gottfried, den er in einer aus Biohanf genähten Weste zur Perfektion bringt, zur Party.

Was als Komödie mit hintersinnigem Witz und scharfen Dialogen beginnt, kippt in die Tragödie. Wenn dem Leben mit Argumenten nicht mehr beizukommen ist, wird unversehens um den Fortbestand der nur scheinbar gefestigten Existenzen gerungen.

Janet ist gerade zur Ministerin im Schattenkabinett ernannt worden – die Krönung ihrer politischen Laufbahn. Mit ihrem Mann Bill und ein paar engen Freunden soll das gefeiert werden. Die Gäste treffen in ihrem Londoner Haus ein, doch die Party nimmt einen anderen Verlauf als erwartet. Bill platzt mit gleich zwei explosiven Enthüllungen heraus, die nicht nur Janets Existenz in den Grundfesten erschüttern. Liebe, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe stehen zur Disposition. Unter der kultivierten linksliberalen Oberfläche brodelt es, und in der Auseinandersetzung werden schließlich scharfe Geschütze aufgefahren – durchaus im Wortsinn.

Ehe ist ein Stoff, der sich fantastisch zerhacken lässt. Herrlichste Ingredienzen! Da wäre der Groll, der sich über die Jahre angesammelt hat wie scharfkantiges Kleingeröll zwischen Zehen; Gesten, die man gelernt hat zu hassen; Sätze, endlos wiederholt; Verrat, begangen oder vermutet. Ein, zwei Gin Tonic, wahlweise seichter Chardonnay, und es gibt kein Halten mehr. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Alle immer gerne! Weshalb das Ehedrama ein Klassiker in Literatur, Theater und Film ist und The Party dessen Steigerung. Es ist ein Film, der einem Tränen des Vergnügens, des Mitleids, der Häme, eventuell der Selbsterkenntnis in die Augen treibt.

 Gleich vier Paare stauen sich auf der engen Bühne, die ein stilvoll möbliertes Londoner Reihenhaus ist. Ein Kammerstück, dieser Film von Sally Potter, in klassischer Einheit von Zeit und Raum, in klassischem Schwarz-Weiß gedreht. Es wird hier ein Abend gegeben, in dem alles verhandelt und abgeräumt wird, was wir geneigt sind, als unsere liberalen Zivilisationsgewinne zu verbuchen. Gefeiert wird in The Party die Ernennung von Janet zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett. Endlich! Eine Frau! Ganz oben! Also fast. Natürlich nur, weil ihr Mann, der Professor, weil Bill ihr, unter Aufgabe seiner Professur, den Rücken freigehalten hat. Der feuchte Traum der Emanzipation! Von diesem Gipfel des liberalen Feminismus ist eine maximale Fallhöhe gewährleistet und die wird von Sally Potters eigenem Drehbuch gnadenlos und pointenreich ausgenutzt.

11.12.2018 - 20:00

BROT UND TULPEN; I/CH 2000; R: Silvio Soldini

Wir haben BROT UND TULPEN schon einmal im KoKi gezeigt, aber er passt so gut in die Reihe und ist so bestrickend......

Rosalba ist Hausfrau, Mitte vierzig und ein wenig schusselig. Immer wieder verlegt, vergisst oder verliert sie irgendetwas. Bei einer Busreise kommen ihr auf einer Autobahnraststätte in Süditalien ihre Ohringe abhanden. Während Rosalba noch sucht, fährt die Reisegesellschaft ohne sie weiter. Im Bus sitzen ihr Ehemann und ihre beiden Söhne. Per Anhalter macht sie sich auf den Weg in Richtung Heimatstadt Pescara, landet aber in Venedig, der Stadt ihrer Träume. Warum nicht den Sonntag in Venedig verbringen? Sie bleibt auch noch den nächsten Tag, die ganze Woche und noch länger. Als sie den melancholischen Kellner Fernando kennen lernt, nimmt sie kurzerhand einen Job als Floristin an. Rosalba entdeckt mit jedem weiteren Tag in der Lagunenstadt ein neues Leben - ihr eigenes Leben...

"Betörend: die grossen, staunenden Augen, mit denen Rosalba in den Spiegel ihrer Träume blickt. Grandios: der komödiantische Charme, mit dem Bruno Ganz die Tragik Fernandos umhüllt. Uberwältigend: Venedig. Soldini lässt die Sehenswürdigkeiten und Gondoliere beiseite, er zeigt die verwinkelten Gassen und düsteren Kammern des Stadtlabyrinths als Seelenlandschaft der Erwartung."

16.12.2018 - 10:30

Bruno Ganz Reihe: HEIDI; CH/D 2015; R: A. Gsopner

Wir beenden die Bruno-Ganz-Reihe mit einem Kinderfilm-Klassiker für die ganze Familie und Ganz als großartigem Almöhi:

Die glücklichsten Tage ihrer Kindheit verbringt das Waisenmädchen Heidi zusammen mit ihrem eigenbrötlerischen Großvater, dem Almöhi (Bruno Ganz), abgeschieden in einer einfachen Hütte in den Schweizer Bergen. Zusammen mit ihrem Freund, dem Geißenpeter genießt die Freiheit in den Bergen in vollen Zügen. Doch die unbeschwerte Zeit endet jäh, als Heidi von ihrer Tante Dete nach Frankfurt gebracht wird. Dort soll sie in der Familie des wohlhabenden Herrn Sesemann eine Spielgefährtin für die im Rollstuhl sitzende Tochter Klara sein und unter der Aufsicht des strengen Kindermädchens Fräulein Rottenmeier (Katharina Schüttler) lesen und schreiben lernen. Obwohl sich die beiden Mädchen bald anfreunden und Klaras Großmutter (Hannelore Hoger) in Heidi die Leidenschaft für Bücher erweckt, wird die Sehnsucht nach den geliebten Bergen und dem Almöhi immer stärker…

Regisseur Alain Gsponer und Drehbuchautorin Petra Volpe haben sich des Themas, trotz seines - durch die vielen Adaptionen entstandenen - heiter-naiven, biederen und altmodischen Beigeschmacks, ernsthaft angenommen. Und es zu dem großen Drama zurückgeführt, das es beinhaltet: Wie kann Heidi, der Freigeist, sich gegen die kleinbürgerliche Enge der Gesellschaft zur Wehr setzen?

Achtung: Wir zeigen Heidi am SONNTAG um 10:30 Uhr!

18.12.2018 - 20:00

Jahresabschlussfilm: FLORENCE FOSTER JENKINS; GB/F 2016; R: S. Frears

Florence Foster Jenkins (gespielt von Meryl Streep) gehört wohl zu den schrägsten Gestalten der Musikgeschichte. Die betagte Erbin könnte sich eigentlich auf ihrem unermesslichen Reichtum ausruhen. Als große Opernliebhaberin hat sie jedoch einen Traum: Florence möchte sich der Gesangskunst widmen und endlich selbst auf der Bühne die Massen begeistern. Dummerweise hat sie eine schrecklich schiefe Stimme, die jedem Zuhörer die Tränen in die Augen treibt. Ihr wohlmeinender Mann St. Clair Bayfield (Hugh Grant) will ihr die Illusionen nicht nehmen und stellt den talentierten Pianisten Cosmé McMoon  und den Gesangslehrer Carlo Edwards (David Haig) ein. Die beiden sollen Florence loben und sie vor scharfzüngigen Kritikern schützen. Doch Bayfield muss schnell erkennen, in welches Schlamassel er sich da geritten hat. Florence plant in der Carnegie Hall, einem der renommiertesten Konzertsäle in New York, aufzutreten…

Die letzten Monate ihres außergewöhnlichen Lebens hat Kultregisseur Stephen Frears in einen Film verwandelt. Und charmanter, ergreifender – und dazu witziger – kann man das nicht machen. Was für ein Glücksfall, dass er Meryl Streep für die Rolle der musikverliebten Lady begeistern konnte.

New York um 1940. Eine ältere Dame steht am Flügel und probt eine Arie. "Das Gaumensegel heben!", ermuntert ihr sichtlich begeisterter Gesangslehrer. Ein schiefes Heulen erfüllt den Salon. "Nutzen Sie die Luft!", stachelt der Lehrer weiter an, während sich der schmale Pianist, der die beiden begleitet, angesichts der immer grässlicheren Dissonanzen um Contenance bemüht. "Und jetzt dehnen Sie das Zwerchfell!", übertönt eine letzte Anfeuerung das neben jedem Ton liegende Gejaule. Dann verliert es sich endlich in einem Röcheln.

 Willkommen in der Welt der Florence Foster Jenkins.