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Kommunales Kino Oberkirch
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Programm

21.11.2017 - 20:00

Reihe "Deutsche Regisseurinnen": 24 Wochen; D 2016; Regie: Anne Zohra Berrached

2016 kamen viele herrausragende Filme deutscher Regisseurinnen in die Kinos. Drei ausgewählte Produktionen zeigt das Kommunale Kino zum Jahresabschuss:

Die Moral kann hier nicht mithalten: Anne Zohra Berracheds Kino-Drama „24 Wochen“ über eine Spätabtreibung lehrt etwas Seltenes – Demut vor dem Leben, wie es gerade kommt.

Die Bühne, das Scheinwerferlicht - Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin mit Hingabe, während ihr Mann und Manager Markus sie gelassen und gekonnt unterstützt. Doch als die beiden ihr zweites Kind erwarten, wird ihr sonst so durchgetaktetes Leben unerwartet aus der Bahn geworfen: Bei einer Routineuntersuchung wird Trisomie 21 festgestellt. Zunächst wissen beide nicht, wie sie damit umgehen sollen, doch sie entscheiden sich gemeinsam für ein Leben mit Down Syndrom. Mit der gleichen Stärke, mit der sie bisher ihren Alltag in der Öffentlichkeit gemeistert haben, bereiten sich die zukünftigen Eltern auf ein Leben mit einem behinderten Kind vor. Unverdrossen stellen sie sich dem Unverständnis und den hilflosen Reaktionen im Freundes- und Verwandtenkreis. Bald verliert die Diagnose ihren Schrecken und die Vorfreude auf das gemeinsame Kind kehrt zurück.

Der Titel dieses Films benennt sein Thema: eine Abtreibung nach 24 Wochen. Er wird - als „24 Wochen“ bei der letztjährigen Berlinale im Wettbewerb lief, war das so - für Diskussionen, Streit, Aufregung sorgen. Wobei es weniger der Film selbst sein dürfte, der für kontroverse Meinungen verantwortlich ist, als die Frage: Darf man das? Ein Kind, das bereits lebensfähig wäre, im Mutterleib töten, weil es schwerbehindert zur Welt käme?

05.12.2017 - 20:00

Vor der Morgenröte; D 2016; Regie: Maria Schrader

Maria Schraders Drama "Vor der Morgenröte" über die Exilzeit von Stefan Zweig ist ein Historienfilm mit drängenden Fragen an die Gegenwart. Einfach einer der besten Filme des Jahres. (Spiegel)

VOR DER MORGENRÖTE erzählt episodisch aus dem Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Die Geschichte eines Flüchtlings, die Geschichte vom Verlieren der alten und dem Suchen nach einer neuen Heimat. Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York, Petrópolis sind vier Stationen im Exil von Stefan Zweig, die ihn trotz sicherer Zuflucht, gastfreundlicher Aufnahme und überwältigender tropischer Natur keinen Frieden finden lassen und ihm die Heimat nicht ersetzen können. Ein bildgewaltiger historischer Film über einen großen Künstler und dabei ein Film über die Zeit, in der Europa auf der Flucht war.

Maria Schraders Film über die letzten Lebensjahre Stefan Zweigs ist weniger ein Biopic im strengen Sinne als die psychologische Studie eines Mannes, dessen humanistisches Weltbild von den politischen Ereignissen eingeholt wird. Man müsse eine Zeitschrift mit jüdischen Autoren herausgeben, schlägt er einem Kollegen vor, um den Mythos der arischen Überlegenheit zu widerlegen. Der Intellektuelle kann nicht anders, als dem irrationalen Hass mit Humanismus zu begegnen. Er verteidigt seine "Inseln der Unabhängigkeit", wie es im Film einmal heißt, obwohl sich längst abzeichnet, dass auch diese Inseln zu verschwinden drohen. Zweig muss über London und New York nach Brasilien fliehen. Tausende Kilometer von seiner Heimat entfernt befindet er sich zwar in Sicherheit, doch seine privilegierte Situation löst in ihm Schuldgefühle aus. Jeden Tag erreichen ihn ein Dutzend Hilfsgesuche von Freunden und Kollegen, die auf seine Fürsprache hoffen, damit sie ebenfalls im Ausland ein besseres Leben beginnen zu können.

Maria Schrader findet in ihrer zweiten Regiearbeit ruhige, psychologisch aufgeräumte Bilder für diese inneren Konflikte.

19.12.2017 - 20:00

Toni Erdmann, D 2016; Regie: Maren Ade

Die Tragikomödie "Toni Erdmann" ist als bester Spielfilm mit dem Europäischen Filmpreis prämiert worden - und holt noch vier weitere Preise. Maren Ade wurde als beste Regisseurin geehrt.

Peter Simonischek ist Toni Erdmann und er ist Winfried, 65, ein Musiklehrer mit ausgeprägtem Hang zum Scherzen, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines - gespielt von Sandra Hüller - ist eine Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Vater und Tochter könnten also nicht unterschiedlicher sein: Er, der gefühlvolle, sozialromantische 68er, sie, die rationale Unternehmensberaterin, die bei einem großen Outsourcing-Projekt in Rumänien versucht aufzusteigen und sich in einer Männerdomäne zu behaupten. Da Winfried zu Hause also nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, sie nach dem Tod seines Hundes spontan zu besuchen. Statt sich anzukündigen, überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma

In ihrem dritten Spielfilm hat sich Maren Ade  in jenes Gefühl zurückgegruselt, das Eltern in einem ausgelöst haben, als auf dem Schulfest keiner am Tisch ihren Witz lustig fand. Um dieser beklemmenden Mischung aus Scham und Ausgeliefertsein nach dem Auszug zu entkommen, redet man sich gerne ein, dass man nichts mit den eigenen Eltern gemein habe außer zufällig den Genen. Freunde, heißt es dann, seien die wichtigsten Beziehungen. Oder, wie im Leben von Ines, eben Kollegen oder Kunden. Über diese moderne Halluzination beugt sich Ade mit ihrem menschenfreundlichen und herrlich komischen Blick.

09.01.2018 - 20:00

66 Kinos; D 2016; Regie: Phillip Hartmann - der Regisseur ist anwesend!

Dokumentation über die deutsche Kinolandschaft, die Regisseur Philipp Hartmann über zwei Jahre hinweg drehte, während er mit einem anderen Film auf Kinotour war. Hartman erzählt von der Bedeutung des Kinos für die heutige Gesellschaft, zeigt welche individuellen Lösungen die unterschiedlichen Kinobetreiber für ihre mannigfaltigen Probleme finden und kommt schlussendlich zu dem Ergebnis, dass man sich um die Zukunft des Kinos keine Sorgen machen muss.

Hartmann war vor 2 Jahren mit seinem vorherigen und uns in sehr guter Erinnerung behaltenen Film „Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe“ bereits Gast im Kommunalen Kino Oberkirch. Wir freuen uns den Regisseur mit seinem neuen Film, in dem auch das Kommunale Kino Oberkirch  eine kurze Szene hat, wieder dem interessierten Filmpublikum präsentieren zu dürfen.

66 KINOS portraitiert einige von den 66 deutschen Filmtheatern, die Philipp Hartmann 2014/15 im Rahmen einer Kinotournee mit seinem vorherigen Film „Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe“ besuchte, und lässt dabei vor den Augen des Zuschauers das vielschichtige Bild einer äußerst lebendigen und zugleich in diversen Umbrüchen befindlichen Kinolandschaft entstehen. Trotz vieler Gemeinsamkeiten – alle müssen etwa auf die Konsequenzen der Digitalisierung, auf sich wandelnde Sehgewohnheiten des Publikums oder auf wirtschaftliche Herausforderungen reagieren – zeigt sich, dass jedes Kino seine eigenen und immer stark vom Engagement der Kinobetreiber und -mitarbeiter gezeichneten Wege und Strategien findet, sich zu positionieren.

16.01.2018 - 20:00

Jim Jarmush-Reihe: PATERSON, USA 2016

Der neue Film von Kultregisseur Jim Jarmusch widmet sich mit viel Liebe zum Detail und gewohnt lakonischem Humor seinen skurrilen Figuren, allen voran dem von Shootingstar Adam Driver verkörperten Feingeist Paterson. Durch maximalen Minimalismus gelingt Jarmusch ein buchstäbliches Gedicht von einem Film.

PATERSON erzählt die Geschichte des Busfahrers Paterson, der genauso heißt wie der Ort, in dem er lebt. Die Kleinstadt in New Jersey und ihre eigentümlichen Bewohner sind die Inspiration für seine Gedichte, die er Tag für Tag in der Mittagspause auf der Parkbank verfasst. Die Welt seiner Frau Laura dagegen ist im ständigen Wandel. Fast täglich hat sie neue Träume, jeder einzelne von ihnen ein anderes, inspirierendes Projekt. Paterson liebt Laura und sie ihn. Er unterstützt ihre neugefundenen Ambitionen und sie bewundert seine Gabe für Poesie.

23.01.2018 - 20:00

BROKEN FLOWERS, USA/F 2005; R: Jim Jarmush

Der Tag fängt gar nicht gut an für Don Johnston (Bill Murray). Erst wird er von seiner sehr viel jüngeren Freundin Sherry verlassen, dann flattert auch noch ein rosafarbener Brief ins Haus. Keine Liebesbotschaft, sondern die späte Quittung für eine frühere Liaison des ergrauten Don Juan: Sein inzwischen 19-jähriger Sohn werde ihn aufsuchen, droht die anonyme Schreiberin. Doch wer ist die Mutter? Vier Frauen in vier verschiedenen Städten kommen infrage. Und so startet Don eher widerwillig und mit rosa Blumen bewaffnet eine aberwitzige Reise in seine Vergangenheit.

…Erst nach und nach merkt man, dass "Broken Flowers", obwohl Jarmusch ihn um Murray herumgebaut hat, eigentlich ein Ensemblefilm ist - und ein exzellenter dazu. Große Leinwand-Damen hat der Regisseur auf seinen Helden losgelassen, neben Julie Delpy und Sharon Stone auch Jessica Lange und Tilda Swinton. Kaputt sind sie gar nicht, diese Blumen, ein kleines bisschen welk vielleicht, aber immer noch sehr schön. (spiegel online)

06.02.2018 - 20:00

ONLY LOVERS LEFT ALIVE; GB/D 2013; R: Jim Jarmush

Dritter und letzter Film der Jim Jarmush Reihe: In diesem etwas anderen Liebesfilm sind Adam und Eve ein ebenso kluges wie kultiviertes Duo, das die Trivialität der heutigen Zeit verabscheut. Und ihre barbarischen Triebe haben diese coolen Lebenskünstler meistens unter Kontrolle. Mal tieftraurig, mal entspannt lakonisch, dann wieder von absurder Komik und immer wieder überraschend, betört dieser Film mit einem ganz eigenen Kosmos und Bildern, wie sie nur einem Jim Jarmusch gelingen. Großartig Tilda Swinton und Mia Wasikowska.

Der Undergroundmusiker Adam (Tom Hiddleston) versteckt sich in einer heruntergekommenen Villa in Detroit vor den Zumutungen der modernen Welt, während seine große Liebe Eve (Tilda Swinton) tausende Kilometer entfernt Zuflucht in der romantischen Kasbah von Tanger gefunden hat. Als sie spürt, dass ihr lebensmüder Gefährte seiner Unsterblichkeit ein Ende setzen will, macht sie sich sofort auf den Weg zu ihm. Die Liebe von Adam und Eve hat schon Jahrhunderte überdauert, aber ihr ausschweifendes Idyll wird jäh zerstört von Eves wilder Schwester Ava (Mia Wasikowska)...

27.02.2018 - 20:00

ICH UND KAMINSKI; D 2016; R: Wolfgang Becker

Wolfgang Beckers neuer Film ICH UND KAMINSKI ist ein komödiantisch-satirischer Einblick in die Kunstwelt. Ein Roadmovie, das durch halb Europa führt, gesäumt von peinlichen Situationen und schmutzigen Tricks. Ein Duell zweier unterschiedlich begabter Hochstapler, deren Geschichten sich ineinander spiegeln. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Daniel Kehlmann.

Deutschland kurz vor der Jahrtausendwende. Sebastian Zöllner (DANIEL BRÜHL), Kunstjournalist und Meister der Selbstüberschätzung, plant seinen großen Coup: ein Enthüllungsbuch über den legendären, aber fast vergessenen Maler Manuel Kaminski (JESPER CHRISTENSEN), Schüler von Matisse und Freund von Picasso, der einst als „blinder Maler“ Berühmtheit erlangte. Der skrupellose und ehrgeizige Karrierist macht sich auf den Weg zu dem entlegenen Chalet hoch oben in den Alpen, wo der greise Künstler zurückgezogen und von Vertrauten abgeschirmt lebt…

13.03.2018 - 20:00

Kooperation PAuLA/BUND/KoKi: THULE TUVALU; CH 2014; R: Matthias von Gunten

Wie jedes Jahr kooperiert das Kommunale Kino mit dem BUND Renchtal und PAuLA e.V. und zeigt wichtige Dokumentarfilme zum Thema Umwelt- und Klimaschutz:

Thule liegt im obersten Norden Grönlands, Tuvalu ist ein kleiner Inselstaat im pazifischen Ozean. Trotz riesiger Entfernung und Gegensätzlichkeit, sind die beiden Orte durch ein gemeinsames Schicksal eng miteinander verbunden: Während in Thule das Eis immer mehr zurückgeht und zu Meerwasser wird, steigt in Tuvalu der Meeresspiegel mehr und mehr an. THULETUVALU handelt von den Menschen in Thule und Tuvalu, deren Leben sich für immer verändert.

Achtung: Wir zeigen den Film in der Oberkircher Mediathek

„Der Klimawandel ist schon heute spürbar. Gerade die Menschen, die den geringsten Anteil an der Erderwärmung haben, sind am stärksten betroffen."

„Es muss im Interesse der internationalen Gemeinschaft liegen, Ökosysteme wie Thule und Tuvalu streng zu schützen. Ich bedanke mich bei den Machern für diese bewegende Geschichte.“

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks

 

 

 

 

10.04.2018 - 20:00

Reihe Fremdes Europa: VIER LEBEN; I/D/CH 2010; R: Michelangelo Frammartino

VIER LEBEN ist die poetische Sicht auf den sich immer wiederholenden Kreislauf des Lebens und der Natur. Angesiedelt in der unvergleichlichen Landschaft Kalabriens, zeichnet Regisseur Michelangelo Frammartino das Porträt einer archaischen Welt und offenbart dabei Einblicke in einen zeitlosen Ort und seine ungebrochenen Traditionen. Eine bezaubernde Meditation über das Leben am Rande Europas.

 

Ein alter Ziegenhirt verbringt die letzten Tage seines Lebens in einem ruhigen mittelalterlichen Dorf. Im tiefsten Süden Italiens hütet er seine Ziegen, an einem Ort, den die meisten Dorfbewohner seit langem verlassen haben. Er ist krank. Als er eines Nachts stirbt, halten seine Ziegen Wache am Sterbebett. Ein Zicklein wird geboren. Wir folgen seinen ersten zaghaften Schritten, sehen, wie es heranwächst bis es kräftig genug ist, um zu weiden. Doch in den Bergen verliert es den Anschluss an die Herde. Das Junge sucht Schutz unter einer majestätischen Tanne, die sich im Bergwind wiegt. Deren Leben wird bestimmt von den Jahreszeiten. Kurze Zeit später liegt die Tanne auf dem Waldboden und ist nur noch das Skelett ihrer selbst. Die Köhler verwandeln sie nach alter Tradition in Holzkohle. Unser Blick verliert sich im Rauch der Asche.....

Der Film erhielt weitreichende Anerkennung unter Kritikern. Im Kritikerkonsens heißt es: „In Vier Leben geht es um Geburt, Tod und Veränderung; der Film ist eine tiefgründige und oft lustige Meditation über die Kreisläufe des Lebens auf Erden."

24.04.2018 - 20:00

DIE MAISINSEL; Geo/D/F 2013; R: Giorgi Ovashvili

Der zweite Film der Reihe über das fremde Europa, die Ränder unseres Kontinents: Die Kamera umkreist von Anfang an mit auffälliger Dynamik das Eiland, als folge sie den Strömungen, als beäuge sie misstrauisch das Stück Land, das von ihr selbst geschaffen, von Menschenhand, durch die Zivilisation verändert und nutzbar gemacht und zuletzt wieder eingefordert wird. Die Schlichtheit des Films, seine sorgfältige beredte Bildsprache sagen alles. Das ist mehr als genug. Das ist ein kleines Meisterwerk.

Ein alljährlich wiederkehrendes Naturereignis hat den Georgier George Ova­shvili zu seiner Geschichte über einen Großvater und seine Enkelin inspiriert: Jedes Frühjahr spült der Enguri fruchtbare Erde aus dem Kaukasus in die Ebene, die sich auf dem Fluss zu überschaubaren Inseln zusammenballt. Wie eine Fata Morgana erhebt sich eine Insel aus dem Nebelschleier. Es ist fester Grund und Boden, stellt der Bauer zufrieden fest. Er riecht und schmeckt sie, es ist fruchtbare Erde. Am Abend rudert er wieder an Land. Am nächsten Tag kommt er wieder mit Werkzeug und Holzlatten, um eine Hütte zu bauen. Die Regie nimmt sich viel Zeit, um genau zu dokumentieren, was hier vor sich geht. Es ist wie ein Ritual. Eine Landnahme, die festgesetzten Regeln zu folgen scheint. Auf seiner dritten Fahrt bringt der Bauer seine Enkelin mit. Bald folgt die erste gemeinsame Mahlzeit: frischer Fisch aus der Reuse. Aber schon fährt das erste Motorboot vorbei, eine Patrouille mit bewaffneten Soldaten. Erst jetzt fallen die ersten Sätze...... Viel gesprochen wird nicht. Die Arbeit des Bauern, die alltäglichen Handgriffe beim Bauen, Einrichten, Kochen, Säen erklären sich von selbst. Die vergehende Zeit zeigen die sprießenden Maispflanzen, die später wie ein schützendes Wäldchen das Blockhaus umstellen. Wie sie wächst das Mädchen zu einer jungen Frau heran. Als sie eines Tages einen verletzten jungen georgischen Soldaten im Dickicht entdecken, entfaltet sich in zarter Andeutung eine Verliebtheit. Die Jahreszeiten vergehen, die Insel hat nur ein Jahr Zeit. Obwohl diese Inseln in Wirklichkeit von den dortigen Bauern zur Landgewinnung betrieben werden und ihr spärliches Ackerland vergrößern. Doch in der Fiktion sind die Herbststürme so mächtig, dass die Insel untergehen muss – um wieder neu zu erstehen.

Der ewige Kreislauf des Lebens und der Natur.

08.05.2018 - 20:00

WESTERN; D/Bul/A2017; R:Valeska Grisebach

Der letzte Film der Reihe "Fremdes Europa", WESTERN von Valeria Griesebach, ist eine Perle. Wie unser Alltag ist das meiste unspektakulär, birgt alles Ansätze zum Näherkommen wie zum Konflikt. Hier lenkt nicht Aktion ab, hier führt die ruhige Inszenierung in eine ungemein dichte Atmosphäre und hin zu Wesentlichem im zwischenmenschlichen Umgang: Wer ist der andere? Wie können wir uns verständigen? Grossartig, wie unaufgeregt die Filmemacherin das Geschehen betrachtet, die Entwicklungen beschreibt, die Fragilität einer jeden Situation, die in die eine Richtung kippen kann oder in die andere. Ein friedlicher Film voller Sprengstoff.

E

Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter macht sich auf den Weg zu einer Auslandsbaustelle in einer ländlichen Region Bulgariens. In der Nähe eines kleinen Dorfes soll ein Wasserkraftwerk entstehen. Die raue, ihnen unbekannte Landschaft weckt zunächst die Abenteuerlust der Männer, aber als Fremde in einem anderen Land werden sie nicht nur mit der dortigen Kultur und Sprache konfrontiert, sondern sehen sich auch zunehmend dem Misstrauen der Einheimischen sowie ihren eigenen Vorurteilen ausgesetzt. So geraten zwei Männer aus der Gruppe in einen sich nach und nach zuspitzenden Konkurrenzkampf um die Anerkennung der Ortsgemeinschaft.

Eigentlich ist der Film ja ein Eastern, denn die anreisenden Männer hier sind Deutsche, die nach Bulgarien und also in den Osten reisen. Sie sollen den Bau einer Wasserfassung vorbereiten und kommen nur zögerlich in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Vom Genre her finden sich Elemente wie die Abenteuerlust, wilde Landschaft, Pferde und Dorfstrukturen, es schält sich ein eher Guter heraus und ein eher Böser, aber nicht nur, denn alle Figuren sind auch Kinder der Umstände, aus denen sie stammen, in denen sie leben. Die Menschen aus dem Dorf träumen von anderswo und sitzen fest, die Männer auf dem Bau stammen aus Ostdeutschland und sind froh um die Arbeit, die sich da bietet.

 

12.06.2018 - 20:00

Reihe Kino gegen Rassismus: GET OUT; US 2017; R: J. Peele

Der erste Film unserer Reihe Kino gegen Rassismus Get Out ist wie ein Horrorfilm, der sich direkt mit dem unterschwelligen Rassismus liberaler Weißer beschäftigt. Man weiß nicht, ob man lachen, weinen oder schreien soll. Get out ist einer der ersten Filme, der explizit in einer Post-Obama-Ära spielt, und Jordan Peele hat mehrfach betont, dass er die Lüge vom postrassistischen Amerika entlarven wolle: Nur weil das Land einen schwarzen Präsidenten hatte, bedeutet dies nicht – wie viele Amerikaner gerne, aber eben irrtümlich glauben –, dass Rassismus in Amerika überwunden worden wäre. Nichts verdeutlicht diese Illusion besser als die Wahl von Donald Trump, die Massenkriminalisierung von Afroamerikanern und der aufkeimende Nationalismus in den USA. (zeit.de)

Chris (Daniel Kaluuya) und Rose (Allison Williams) sind ein Paar. Ihre unterschiedliche Hautfarbe hat sie dabei nie gestört. Doch nun wollen sie den nächsten Schritt in ihrer Beziehung tun und Chris soll Rose' Eltern treffen. Also machen die beiden sich mit dem Auto auf den Weg in einen anderen Teil der USA und werden im Haus von Dean und Missy herzlich in Empfang genommen. Lediglich damit, dass Rose' Eltern zwei afroamerikanische Angestellte haben, weiß Chris nicht recht umzugehen.

Erst als ein Freund Chris warnt, vorsichtig zu sein, weil in letzter Zeit viele Schwarze spurlos in dem Vorort verschwunden sind, in dem er sich aufhält, schleicht sich etwas Unheimliches in den Eltern-Besuch. Dass Missy eine Hypnose-Expertin ist, macht das Verhältnis nicht besser. Ist Chris am Ende in soziale Kreise geraten, die ihm Übles antun wollen?Der

26.06.2018 - 20:00

WIR SIND JUNG, WIR SIND STARK, D 2014; R.: B. Qurbani

WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK. zeigt eindringlich wie eine Gesellschaft in einer lauen Sommernacht moralisch gegen die Wand fährt. Mit Feingefühl und Sensibilität folgt Burhan Qurbani dem schmalen Grat zwischen Verlust von Identität und der daraus resultierenden Flucht in eine Ideologie, die vermeintlich eine Perspektive verspricht. Mutig zeichnet der Regisseur das Bild einer verlorenen Generation und das moralische Versagen der Gesellschaft, sich um die Menschen zu kümmern. 

Rostock-Lichtenhagen 1992. In einer verödeten Wohnsiedlung hängen die Jugendlichen herum und wissen nichts mit sich anzufangen. Tagsüber gelangweilt, harren sie der Nächte, um gegen Polizei und Ausländer zu randalieren. Auch Stefan (Jonas Nay), der Sohn eines Lokalpolitikers (Devid Striesow), streift mit seiner Clique ziellos durch die Gegend. Ohne Job und eine Aufgabe finden die Freunde immer nur sich selbst als Ziel kleinerer und großer Grausamkeiten. Auch Lien (Trang Le Hong) lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in der Siedlung, im sogenannten Sonnenblumenhaus, das von Vietnamesen bewohnt wird. Sie glaubt in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben und will auch nach der Wende bleiben. Es ist der 24. August als die Geschichten dieser Menschen zusammentreffen: Der Mob hat sich vor dem Sonnenblumenhaus versammelt...

10.07.2018 - 20:00

DIE ARIER; D 2014; R: Mo Asumang

Noch nie hat sich jemand filmisch konkret an das Thema ARIER gewagt. Und das obwohl unter der vermeintlichen Marke ARIER in Deutschland gegen Menschen anderer Religion, Hautfarbe oder Geschlechtsorientierung gehetzt und gemordet wurde und wird. Auf einer persönlichen Reise versucht die Afrodeutsche Mo Asumang herauszufinden, was hinter der Idee vom "Herrenmenschen" steckt. Sie begibt sich zu Pseudo-Ariern auf Nazidemos, reist zu den wahren Ariern in den Iran, trifft sich in den USA mit weltweit berüchtigten Rassisten und begegnet dem Ku Klux Klan.

Rechtsextremismus ist in Deutschland auch lange nach dem Ende des NS-Regimes noch ein großes, oft verdrängtes Problem. Alle dreißig Minuten wird hier eine Straftat verübt, der rassistische Motive zugrunde liegen. Die afrodeutsche Moderatorin, Autorin und Schauspielerin Mo Asumang begibt sich auf eine Tour durch rechtsextreme Abgründe, immer auf der Suche nach der Antwort auf die Fragen: Was ist ein "Arier"? Was macht einen Deutschen zum "Arier"? Während ihrer gefährlichen Reise besucht Asumang Nazidemos, trifft deutsche Neonazis, begegnet Politikern der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und watet auch durch den braunen Sumpf in Übersee: Sie besucht einen der bekanntesten Rassisten der USA, Tom Metzger, sowie Mitglieder des berüchtigten Ku-Klux-Klan im Mittleren Westen.

Üblicherweise gehen Filme den umgekehrten Weg – doch Mo Asumangs Dokumentation „Die Arier“, die auf Festivals zwischen Phoenix und Shanghai schon Preise abgeräumt hat, kommt erst nach ihrer TV-Ausstrahlung im Frühjahr 2014 noch für einige Vorstellungen auf die große Leinwand. Asumang, am bekanntesten wohl immer noch als Moderatorin der ProSieben-Erotikshow „liebe sünde“, erhielt 2002 Morddrohungen im Song einer Neonaziband und nahm dies zum Anlass für ihr Regiedebüt „Roots Germania“, das sie 2007 fertigstellte.

24.07.2018 - 20:00

HIDDEN FIGURES; US 2016; R: Theodore Melfi

4. und letzter Film unserer Reihe gegen Rassismus: Eine leidenschaftliche Hommage an drei herausragende afroamerikanische Frauen, die zu Beginn der sechziger Jahre bei der NASA arbeiten und an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte beteiligt sind. Die brillanten Mathematikerinnen sind Teil jenes Teams, das dem ersten US- Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglicht. Eine atemberaubende Leistung, die der amerikanischen Nation neues Selbstbewusstsein gibt, den Wettlauf ins All neu definiert und die Welt aufrüttelt. Dabei kämpft das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und ist eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten.

HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN ist die bisher noch nicht erzählte, unglaubliche Geschichte von Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughn (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe).

 

18.09.2018 - 20:00

TANNA, Aus 2015; R: Martin Butler

So etwas wie eine Liebesheirat ist auf der Insel Tanna unbekannt. Doch Wawa und Dain sind eine Art Romeo und Julia. Immer wieder stehlen sie sich davon, um sich heimlich im leuchtend grünen Blattwerk des Dschungels zu treffen, während die Frauen am Fluss schon die Hochzeitsvorbereitungen treffen. Die Liebe zwischen der jungen Frau und dem stattlichen Krieger ist so stark, dass sie beschließen, sich den Traditionen zu widersetzen. Dann verschärft sich ihre Lage noch weiter, als Wawa als Instrument des Friedens dem Häuptlingssohn eines verfeindeten Stammes versprochen wird.

Monatelang lebten Martin Butler und Bentley Dean in einem kleinen Dorf auf einer der über 80 Inseln, die zusammen den winzigen Staat Vanuatu bilden. Hier beobachteten sie traditionelle Riten und hörten Geschichten von den Bewohnern der meist autark lebenden Stämme, deren Leben sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert zu haben scheint. Hier hörten sie auch von einer Geschichte, die sich Mitte der 80er Jahre zugetragen haben soll und die Grundlage für ihren Film wurde.
 
Sie erzählt von zwei benachbarten, aber verfeindeten Stämmen, den Yakel und den Imedins, die ihren jeweiligen Traditionen folgen, sich christlicher Missionierung erfolgreich widersetzt haben und stattdessen im Einklang mit der Natur zu leben versuchen. Wissen um die Traditionen wird von Generation zu Generation weitergegeben, wobei besonders ein nahe gelegener Vulkan, in dessen Krater Lava brodelt von größter Bedeutung ist. Wenn der Vulkan Feuer speit ist es fast so, als würde Mutter Natur sich zu Wort melden und die Menschen auf ihren Platz verweisen.

02.10.2018 - 20:00

LION - der lange Weg zurück; USA/Aus 2016; R: G. Davis

LION ist eine bewegende Geschichte über die Suche nach den eigenen Wurzeln. Basierend auf dem autobiographischen Bestseller „Mein langer Weg nach Hause“ erzählt der Film die bewegende und wahre Geschichte von Saroo Brierley, der als Kind verloren ging und Jahrzehnte später wie durch ein Wunder seine Familie wiederfand.

Ein Tag wie jeder andere im Leben des fünfjährigen Saroo: Auf dem Bahnhof der indischen Kleinstadt, in der sein Bruder ihn für einige Stunden zurückgelassen hat, sucht er nach Münzen und Essensresten. Vor Erschöpfung schläft er schließlich in einem haltenden Zug ein und findet sich nach einer traumatischen Zugfahrt am anderen Ende des Kontinents in Kalkutta wieder. Auf sich allein gestellt irrt er wochenlang durch die gefährlichen Straßen der Stadt, bis er in einem Waisenhaus landet, wo er von Sue und John Brierley adoptiert wird, die ihm ein liebevolles Zuhause in Australien schenken. Er könnte rundum glücklich sein, doch die Frage nach seiner Herkunft lässt ihn nicht los…

13.11.2018 - 20:00

Kooperation BUND/PAuLA: THE TRUE COST: US 2015; R: A. Morgan

PAuLA und BUND zeigen zusammen mit dem Kommunalen Kino einen Film über die wahren Kosten unserer viel zu billigen Kleidung und demverschwenderischen Umgang damit:

Es gibt kaum einen Markt, bei dem Schein und Realität so weit auseinander liegen wie bei der Bekleidungsindustrie. Auf der einen Seite gibt es Modeschauen mit Starmodels und rotem Teppich, auf der anderen Seite wird die Kleidung zumeist unter sklavenähnlichen Bedingungen in sogenannten Dritteweltländern produziert. Die Ausbeutungskette, die hinter jedem einzelnen Kleidungsstück steckt, wird unsichtbar hinter der Glamourwelt der Modeindustrie.

THE TRUE COST – Der Preis der Mode zeigt diese Kette auf: Wo wird die Kleidung hergestellt, welche Arbeitsbedingungen herrschen dort, was passiert in den Ländern, in denen riesige Wassermengen für die Baumwolle benötigt wird, während die Menschen verdursten? Die Ausbeutung von Mensch und Natur, die hinter den Preisen steckt, ist erschreckend. Ebenso erschreckend ist die Verdrängung dieser Tatsache in der westlichen Welt. Wer würde schon eine Hose kaufen, wenn er wüsste, dass dafür ein Kind verdursten musste oder die Näherin der Hose in den Trümmern einer eingestürzten Fabrik gestorben ist? THE TRUE COST – Der Preis der Mode zeigt die erschütternde Wahrheit: Die Kosten für unsere Kleidung müssen andere bezahlen.

Das Begleitprogramm zum Film wird noch bekannt gegeben (z.B. Kleidertauschparty...)

20.11.2018 - 20:00

Reihe Bruno Ganz: EINER NACH DEM ANDEREN, NOR 2014; R: H.P. Moland

wow, was für ein Film - und Bruno Ganz als Bandenführer: Die Schneeräumung ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit. Nils (Stellan Skarsgård) geht ihr mit so einnehmender Zuverlässigkeit nach, dass er zum Bürger des Jahres gewählt wird. Als sein Sohn zufällig Opfer einer fatalen Verwechslung der Mafia wird, gerät der beste Bürger in einen ausschweifenden Drogenkrieg. Nils will seinen Sohn rächen und macht sich auf zu einer Reise an den Ursprung des Verbrechens. Einen Auftragskiller nach dem nächsten bringt er so akribisch zu Fall wie er einst seine Mitbürger von unerwünschten Schneemassen befreit hatte. Bandenführer Papa (Bruno Ganz), der mit der Drogenmafia auf Kriegsfuß steht, wittert neue Chancen, die ungeliebten Konkurrenten ein für allemal aus dem Weg zu räumen. Es entspinnt sich ein kaum zu entwirrender, aber dafür umso komischerer Drogenkrieg, in dessen Zentrum Nils mit viel Recht und noch mehr Anarchie für so manche Überraschung sorgt.

Wo statt mit Schnee fontänenweise mit Auftragskillern aufgeräumt wird, muss die sensible Balance zwischen ziviler Ordnung und krimineller Kultur aus den Fugen geraten. Regisseur Hans Petter Moland erweist sich nach EIN MANN VON WELT ein weiteres Mal als bildstarker, scharfsinniger und bitterböser Analyst des so feinen Gewebes, das wir Gesellschaft nennen.

27.11.2018 - 20:00

THE PARTY; GB 2017; R: Sally Potter

Sally Potter stürzt in der Satire "The Party" ihre sechs Protagonisten vom Gipfel des Feminismus, bitterböse und hochkomisch. Britisches Kino in Bestform!

In ihrem achten Kinofilm lädt die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter namhafte Akteure, u.a. eben Bruno Ganz, in der Rolle eines Achtsamkeitsyogi namens Gottfried, den er in einer aus Biohanf genähten Weste zur Perfektion bringt, zur Party.

Was als Komödie mit hintersinnigem Witz und scharfen Dialogen beginnt, kippt in die Tragödie. Wenn dem Leben mit Argumenten nicht mehr beizukommen ist, wird unversehens um den Fortbestand der nur scheinbar gefestigten Existenzen gerungen.

Janet ist gerade zur Ministerin im Schattenkabinett ernannt worden – die Krönung ihrer politischen Laufbahn. Mit ihrem Mann Bill und ein paar engen Freunden soll das gefeiert werden. Die Gäste treffen in ihrem Londoner Haus ein, doch die Party nimmt einen anderen Verlauf als erwartet. Bill platzt mit gleich zwei explosiven Enthüllungen heraus, die nicht nur Janets Existenz in den Grundfesten erschüttern. Liebe, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe stehen zur Disposition. Unter der kultivierten linksliberalen Oberfläche brodelt es, und in der Auseinandersetzung werden schließlich scharfe Geschütze aufgefahren – durchaus im Wortsinn.

Ehe ist ein Stoff, der sich fantastisch zerhacken lässt. Herrlichste Ingredienzen! Da wäre der Groll, der sich über die Jahre angesammelt hat wie scharfkantiges Kleingeröll zwischen Zehen; Gesten, die man gelernt hat zu hassen; Sätze, endlos wiederholt; Verrat, begangen oder vermutet. Ein, zwei Gin Tonic, wahlweise seichter Chardonnay, und es gibt kein Halten mehr. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Alle immer gerne! Weshalb das Ehedrama ein Klassiker in Literatur, Theater und Film ist und The Party dessen Steigerung. Es ist ein Film, der einem Tränen des Vergnügens, des Mitleids, der Häme, eventuell der Selbsterkenntnis in die Augen treibt.

 Gleich vier Paare stauen sich auf der engen Bühne, die ein stilvoll möbliertes Londoner Reihenhaus ist. Ein Kammerstück, dieser Film von Sally Potter, in klassischer Einheit von Zeit und Raum, in klassischem Schwarz-Weiß gedreht. Es wird hier ein Abend gegeben, in dem alles verhandelt und abgeräumt wird, was wir geneigt sind, als unsere liberalen Zivilisationsgewinne zu verbuchen. Gefeiert wird in The Party die Ernennung von Janet zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett. Endlich! Eine Frau! Ganz oben! Also fast. Natürlich nur, weil ihr Mann, der Professor, weil Bill ihr, unter Aufgabe seiner Professur, den Rücken freigehalten hat. Der feuchte Traum der Emanzipation! Von diesem Gipfel des liberalen Feminismus ist eine maximale Fallhöhe gewährleistet und die wird von Sally Potters eigenem Drehbuch gnadenlos und pointenreich ausgenutzt.

11.12.2018 - 20:00

BROT UND TULPEN; I/CH 2000; R: Silvio Soldini

Wir haben BROT UND TULPEN schon einmal im KoKi gezeigt, aber er passt so gut in die Reihe und ist so bestrickend......

Rosalba ist Hausfrau, Mitte vierzig und ein wenig schusselig. Immer wieder verlegt, vergisst oder verliert sie irgendetwas. Bei einer Busreise kommen ihr auf einer Autobahnraststätte in Süditalien ihre Ohringe abhanden. Während Rosalba noch sucht, fährt die Reisegesellschaft ohne sie weiter. Im Bus sitzen ihr Ehemann und ihre beiden Söhne. Per Anhalter macht sie sich auf den Weg in Richtung Heimatstadt Pescara, landet aber in Venedig, der Stadt ihrer Träume. Warum nicht den Sonntag in Venedig verbringen? Sie bleibt auch noch den nächsten Tag, die ganze Woche und noch länger. Als sie den melancholischen Kellner Fernando kennen lernt, nimmt sie kurzerhand einen Job als Floristin an. Rosalba entdeckt mit jedem weiteren Tag in der Lagunenstadt ein neues Leben - ihr eigenes Leben...

"Betörend: die grossen, staunenden Augen, mit denen Rosalba in den Spiegel ihrer Träume blickt. Grandios: der komödiantische Charme, mit dem Bruno Ganz die Tragik Fernandos umhüllt. Uberwältigend: Venedig. Soldini lässt die Sehenswürdigkeiten und Gondoliere beiseite, er zeigt die verwinkelten Gassen und düsteren Kammern des Stadtlabyrinths als Seelenlandschaft der Erwartung."

16.12.2018 - 10:30

Bruno Ganz Reihe: HEIDI; CH/D 2015; R: A. Gsopner

Wir beenden die Bruno-Ganz-Reihe mit einem Kinderfilm-Klassiker für die ganze Familie und Ganz als großartigem Almöhi:

Die glücklichsten Tage ihrer Kindheit verbringt das Waisenmädchen Heidi zusammen mit ihrem eigenbrötlerischen Großvater, dem Almöhi (Bruno Ganz), abgeschieden in einer einfachen Hütte in den Schweizer Bergen. Zusammen mit ihrem Freund, dem Geißenpeter genießt die Freiheit in den Bergen in vollen Zügen. Doch die unbeschwerte Zeit endet jäh, als Heidi von ihrer Tante Dete nach Frankfurt gebracht wird. Dort soll sie in der Familie des wohlhabenden Herrn Sesemann eine Spielgefährtin für die im Rollstuhl sitzende Tochter Klara sein und unter der Aufsicht des strengen Kindermädchens Fräulein Rottenmeier (Katharina Schüttler) lesen und schreiben lernen. Obwohl sich die beiden Mädchen bald anfreunden und Klaras Großmutter (Hannelore Hoger) in Heidi die Leidenschaft für Bücher erweckt, wird die Sehnsucht nach den geliebten Bergen und dem Almöhi immer stärker…

Regisseur Alain Gsponer und Drehbuchautorin Petra Volpe haben sich des Themas, trotz seines - durch die vielen Adaptionen entstandenen - heiter-naiven, biederen und altmodischen Beigeschmacks, ernsthaft angenommen. Und es zu dem großen Drama zurückgeführt, das es beinhaltet: Wie kann Heidi, der Freigeist, sich gegen die kleinbürgerliche Enge der Gesellschaft zur Wehr setzen?

Achtung: Wir zeigen Heidi am SONNTAG um 10:30 Uhr!

18.12.2018 - 20:00

Jahresabschlussfilm: FLORENCE FOSTER JENKINS; GB/F 2016; R: S. Frears

Florence Foster Jenkins (gespielt von Meryl Streep) gehört wohl zu den schrägsten Gestalten der Musikgeschichte. Die betagte Erbin könnte sich eigentlich auf ihrem unermesslichen Reichtum ausruhen. Als große Opernliebhaberin hat sie jedoch einen Traum: Florence möchte sich der Gesangskunst widmen und endlich selbst auf der Bühne die Massen begeistern. Dummerweise hat sie eine schrecklich schiefe Stimme, die jedem Zuhörer die Tränen in die Augen treibt. Ihr wohlmeinender Mann St. Clair Bayfield (Hugh Grant) will ihr die Illusionen nicht nehmen und stellt den talentierten Pianisten Cosmé McMoon  und den Gesangslehrer Carlo Edwards (David Haig) ein. Die beiden sollen Florence loben und sie vor scharfzüngigen Kritikern schützen. Doch Bayfield muss schnell erkennen, in welches Schlamassel er sich da geritten hat. Florence plant in der Carnegie Hall, einem der renommiertesten Konzertsäle in New York, aufzutreten…

Die letzten Monate ihres außergewöhnlichen Lebens hat Kultregisseur Stephen Frears in einen Film verwandelt. Und charmanter, ergreifender – und dazu witziger – kann man das nicht machen. Was für ein Glücksfall, dass er Meryl Streep für die Rolle der musikverliebten Lady begeistern konnte.

New York um 1940. Eine ältere Dame steht am Flügel und probt eine Arie. "Das Gaumensegel heben!", ermuntert ihr sichtlich begeisterter Gesangslehrer. Ein schiefes Heulen erfüllt den Salon. "Nutzen Sie die Luft!", stachelt der Lehrer weiter an, während sich der schmale Pianist, der die beiden begleitet, angesichts der immer grässlicheren Dissonanzen um Contenance bemüht. "Und jetzt dehnen Sie das Zwerchfell!", übertönt eine letzte Anfeuerung das neben jedem Ton liegende Gejaule. Dann verliert es sich endlich in einem Röcheln.

 Willkommen in der Welt der Florence Foster Jenkins.